jemand in kenia nagelt ein dach auf eine klinik. ich fege die küche.
jemand in japan sucht seine tochter. ich lese.
jemand in thailand baut solarkocher. ich suche mir eine wandfarbe aus.
jemand in lybien erschießt leute. ich verzichte auf süßigkeiten.
aber ich habe auch die morgenstunden entdeckt, in denen ich wäsche waschen, mandazi frittieren und aufräumen kann, während das teewasser langsam zu kochen beginnt. auch die fastenzeitbedingte internetbeschränkung schafft mehr platz für und weniger ablenkung von anderen schönen dingen. ich sträube micht zu schreiben "wichtigere dinge", denn was von meinen derzeitigen tätigkeiten ist schon wichtig? ich nehme mir viel zeit für literatur, theater und musik, wo ich mich doch eigentlich auf eine hausarbeit konzentrieren sollte.
ich fühle mich weit weg von allem, ein einflussloser zuschauer, der sich fragt, ob es nicht besser wäre, den fernseher einfach auszuschalten. und selbst für die frage "ist das noch alles richtig so, wie ich das mache? will ich das so, wie es gerade ist?" bin ich irgendwie zu träge und taub.